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Humane Papillomaviren (HPV) sind Hauptverursacher höhergradiger zervikaler intraepithelialer Neoplasien (Dysplasien) und des Zervixkarzinoms. In nahezu allen Plattenepithel- und Adenokarzinomen der Zervix sind Papillomaviren vorhanden.
Hauptindikation zur HPV-Diagnostik ist die weitere Abklärung kontrollbedürftiger und unklarer zytologischer Befunde der Gruppen II w, III D und III sowie die Therapiekontrolle nach Konisation. Patientinnen mit auffälligen zervikalen Plattenepithelveränderungen der Gruppen II w und III besitzen bei positivem HPV-Nachweis ein deutlich höheres Risiko, eine zervikale Dysplasie zu entwickeln. Eine persistierende Infektion mit bestimmten HPV-Typen bei leichter und mäßiger Dysplasie (CIN I/II) gilt als Vorbedingung für die Entstehung einer schweren Dysplasie und eines Carcinoma in situ (CIN III). Neben zytologischen Kontrollen spricht ein negativer HPV-Nachweis 12 und 24 Monate nach einer Konisation für eine sichere HPV-Elimination.
(Grafiken zum Vergrößern anklicken)
In unserem Labor wird ein differenzierter HPV-Nachweis mit Hilfe von PCR-Amplifikation und Sequenzanalyse durchgeführt. Dadurch kann der genaue HPV-Typ bestimmt werden, was für die Risikoeinschätzung unabdingbar ist (siehe unten).
Da die HPV16 Viruslast im Zervixabstrich im Gegensatz zu anderen HPV-Typen (HPV18, HPV31, HPV45) direkt mit dem Grad der zytologischen Veränderungen korreliert ist, haben wir in unsere HPV-Routinediagnostik den quantitativen HPV16-Nachweis integriert. Die Kenntnis der HPV16-Viruslast kann entscheidenden Einfluss auf das weitere Vorgehen haben (z.B. normales Kontrollintervall bei fraglichem zytologischem Befund (Gruppe II w) und geringer Viruslast).
Dieses Verfahren besitzt im Vergleich zur Direkthybrididsierung mit Sondengemischen für ausgewählte HPV-Typen entscheidende Vorteile:
Dies konnte durch eine von uns durchgeführte Vergleichsstudie eindeutig belegt werden (Kösel S. et al. Clin Chem Lab Med 2003; 41:787-791):
Bei der Korrelation von HPV-Typ und zytologischem Befund zeigt sich eine stark differente Verteilung der HPV-Typen: Bei schwerer zervikaler Dysplasie (Gruppe IV a, Münchner Nomenklatur II) wurde als häufigster HPV-Typ HPV16 (64%) nachgewiesen. Neben HPV16 fanden sich in dieser Gruppe auch HPV18, HPV31, HPV33, HPV45, HPV52, HPV53, HPV62 und HPV82. Bei Patientinnen mit milder bis mäßiger Dysplasie (Gruppe III D) wurden zahlreiche HPV-Typen nachgewiesen, die bisher nicht den sogenannten „Hoch-Risiko-HPV-Typen“ zugeordnet werden (HPV66, HPV70, HPV72, HPV83, HPV84, CP8304). HPV-Typen, die nicht vom Direkthybridisierungstest erfasst werden und bisher nicht als „Hoch-Risiko-HPV-Typen“ eingeordnet werden (HPV53, HPV62, HPV66, HPV73, HPV82), können eine schwere Dysplasie und möglicherweise ein Karzinom verursachen.
Eine große multizentrische Studie (N Engl J Med 2003; 348:518-527)
Diese Daten legen nahe, dass für Beurteilung und Prognose zytologischer Befunde eine HPV-Diagnostik, die alle HPV-Typen erfasst und individuell bewertet, notwendig ist. Eine einfache Einteilung in „Hoch-Risiko“- und „Niedrig-Risiko-HPV-Typen“ lässt keine differenzierte Risikoabschätzung zu.
HPV-Infektionen bilden sich zum großen Teil spontan zurück, besonders bei Frauen unter 30 Jahren, so dass ein Primärscreening von Zervixabstrichen auf HPV bei allen Frauen derzeit nicht empfohlen wird. Nach vorliegenden Studien kann der HPV-Nachweis im Alter zwischen 30 und 40 Jahren den Hinweis auf eine Viruspersistenz geben, die die Voraussetzung für eine maligneTransformation der Zellen darstellt.
Abrechnung: Bei kontrollbedürftigen/unklaren zytologischen Befunden kann die HPV-Diagnostik als vertragsärztliche Leistung erbracht werden (Labor-Ü-Schein Muster 10). Als
individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) betragen die Kosten für Probennahme, ärztliche Beratung, Material und Laborleistung insgesamt 78 Euro.
Der HPV-Nachweis wird im Zentrallabor (Führichstraße 70, 81671 München) durchgeführt. Vorformulierte Patientenverträge, Histobrush, Transportmedium, Versandtaschen und Broschüren für die Patienteninformation können im Zentrallabor oder im zytologischen Labor angefordert werden.